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E-Phasen im September auf Kennenlernfahrt – Integration und Toleranz im Zeichen von Zuwanderung

Wie jedes Jahr im September, geben sich auch dieses Jahr die 11. Klassen der ADS in Wolfshausen bei Marburg zwecks gegenseitigen Kennenlernens die Klinke in die Hand – ausführlicher Bericht und Bilder folgen hier in Kürze.

Wie sich das erste Jahr dann tatsächlich für unsere Neuankömmlinge entwickeln kann, darüber hat jetzt eine der letztjährigen Stammgruppen Einblicke gegeben.

 

Alfred-Delp-Schule Dieburg: Wir sind eine Familie, wir sind eine Welt.

 

„Wir gehen in die Schule, um neues Wissen zu erlangen. Doch eigentlich geht es um noch viel mehr: um das Miteinander. Besonders gut merke ich das in meiner Klasse (...) Dass in unserer Klasse mehr als zehn verschiedenen Nationalitäten aufeinander treffen, spielt dabei gar keine Rolle. Es ist vielmehr eine große Bereicherung für uns alle, da wir durch den engen Kontakt miteinander viel über fremde Kulturen und andere Religionen erfahren können. Bei uns wird jedem geholfen und jedem zugehört. Zwei hilfsbereite Klassensprecher haben immer ein offenes Ohr. Durch den respektvollen Umgang miteinander fällt es auch viel leichter, sich vor der Klasse zu äußern, als in anderen Klassen, in denen das nicht so ist.

Das Lernen macht in so einer harmonischen Umgebung sogar meistens Spaß (...) Vor allem in Gruppenarbeiten wird deutlich, wie alle zusammenarbeiten. Keiner geht in der Gruppe unter oder wird für seine Meinung ausgelacht. Nicht nur in der Schule, sondern auch privat verstehen wir uns alle sehr gut und unternehmen deshalb auch gerne etwas gemeinsam in unserer Freizeit. Ich würde unsere Klasse nicht mehr als Klasse bezeichnen, denn wir sind mehr als nur eine Klasse. Wir sind ein eingespieltes Team!" (Nadine Riske)

Dieses eindrucksvolle Statement einer ADS-Schülerin deckt sich mit Überzeugungen und Forderungen, wie sie mittlerweile viele Verbände erheben: „Das Klischee, Zuwanderer legten keinen Wert auf Bildung, sei schlichtweg falsch, weiß der Düsseldorfer Bildungsforscher Heiner Barz.“ Mit diesen Worten beginnt ein Artikel des Verbandes deutscher Ingenieure (VDI), der sich stark macht für eine „interkulturelle Schule“. Eine darin zitierte Studie, an der sich die Vodafone Stiftung und die Stiftung Mercator beteiligt haben, kommt zu dem Ergebnis, es gebe in Deutschland unter anderem auch „zu wenige Lehrer mit Migrationshintergrund“, die der kulturellen und religiösen Vielfalt der Zugewanderten mit dem nötigen Verständnis begegnen könnten.

Betont wird auch, dass gerade Eltern mit Migrationshintergrund oft sehr großen Wert auf die Bildung ihrer Kinder legen. Das beste Konzept sei daher die interkulturell geöffnete Schule, die Migranten unterschiedlichster Herkunft als Bereicherung auch der Bildungslandschaft betrachtet.

(http://www.vdi-nachrichten.com/Schwerpunkt-Meinung/Das-beste-Konzept-waere-interkulturelle-Schule)

Die Alfred-Delp-Schule, die unter der Schirmherrschaft des „Rodgau Monotones“-Sängers Henni Nachtsheim bereits im landesweiten Netzwerk <Schule gegen Rassismus> engagiert ist, lebt diese Überzeugung längst auch im Schulalltag. Nadines Mitschüler Paul Zürcher stimmt ihr zu: „Ich persönlich wurde schon häufiger gefragt, ob es wegen der großen Ausländerquote Probleme gibt. Mich persönlich hat das sehr verstört, weil ich denke, dass eine Vermischung verschiedener Nationalitäten mehr als wünschenswert ist. Ich habe das Gefühl, dass wir uns gerade aus diesem Grund gegenseitig respektieren und akzeptieren, jeder ist er selbst und hat keine Angst, wegen seines/ihres Charakters verurteilt zu werden. Ich habe das in meinen 10 Schuljahren zuvor noch nie in solch ausgeprägter Form erlebt. Unsere Klasse hat uns alle viel über andere Nationalitäten gelehrt und hat sich währenddessen zu einer Art Familie entwickelt, ich persönlich habe mich noch nie so wohl gefühlt. Mittlerweile wage ich es auszusprechen, dass ich schon fast gerne in die Schule gehe. Leider löst sich unsere Klasse, in der ich meinen besten Freund kennengelernt und die Liebe meines Lebens getroffen habe, bald auf und wir als Klasse müssen uns für den Rest unseres Abis voneinander trennen. Ich bin unglaublich dankbar für diese wundervolle Zeit und werde (euch) alle sehr vermissen.“ Claudia Leti-Fischer, Tutorin der Stammgruppe und selbst nicht deutscher Herkunft, sagt dazu: „In meinem Tutorium S01 haben 12 von 26 Schülern einen Migrationshintergrund, was in ländlichen Bereichen eher die Ausnahme ist,“, und stellt fest: „Im Fach Englisch gibt es in meiner Klasse keinen Leistungs­unterschied zwischen beiden Gruppen, und dies auf gutem Niveau, es gibt auch keine Konflikte, sondern das Arbeitsklima ist im Gegenteil geprägt durch Zusammen­halt, Verständnis und gegen­seitigen Respekt.“

 

Kulturelle Vielfalt betrachtet die Alfred-Delp-Schule als ganz wesentlichen Bestandteil ihres Profils und legt angesichts der zu erwartenden Steigerung des Bevölkerungsanteils von Menschen aus anderen Ländern besonderen Wert darauf, auch künftigen Schülerinnen und Schülern unterschiedlichster Herkunft sowie deren Eltern zu signalisieren, dass sie an dieser Schule, dem Dieburger Oberstufengymnasium stets willkommen sind.

 

Claudia Leti-Fischer