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Mit dem Roboter auf der Suche nach künstlicher Intelligenz

INFORMATIK Alfred-Delp-Schule in Dieburg stellt drei Sieger in der ersten Runde
eines Bundeswettbewerbs

DIEBURG. "Das ist ja gerade das reizvolle, dass alles einer genauen Logik folgt?",


sagt Niels-Lucas Sch”önfeld (16), Schüler des Alfred-Delp-Oberstufengymnasiums
(ADS) in Dieburg. Mit Nicolai Ries (16) und Julian Braunwarth (17) bildet er ein
Team, das die erste Runde eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
ausgeschriebenen Informatik-Wettbewerbs mit der h”öchstm”öglichen Zahl von 15
Punkten absolviert hat. Jetzt geht es in die zweite Runde, mit bundesweit nur noch
544 qualifizierten Teilnehmern, und dabei müssen die drei dann gegeneinander
antreten.

Die Schüler sehen das eher sportlich. Für die erste Runde hatten sie von der
Aufgabenstellung bis zu den L”ösungsvorschl„gen ganze zwei Wochen, mit dem
Schwierigkeitsgrad der zweiten Runde, für die inzwischen die neuen Aufgaben
bereits vorliegen, bleibt Zeit bis Mitte April.

Mit dem Gesichtsaudruck eines Informatik-Gourmets berichtet Julian von einer der
drei neuen Aufgaben, in der es um die Entwicklung künstlicher Intelligenz für Malefiz-
und Mühlespiele geht. "Die L”ösung solcher Probleme ist einfach reizvoll", versichert
er.

Mit 1187 Teilnehmern bundesweit stand das Informatik-Team der ADS in der ersten
Runde beispielsweise vor der Aufgabe, einen so genannten Algorithmus für die
virtuellen Mitarbeiter eines virtuellen Betriebs zu entwickeln, die nur dann mit ihrer
Arbeit zufrieden sind, wenn ihnen die Anordnung der Pausen ausreichend
Gelegenheit zum Kaffeetrinken gibt. Das Problem scheinen Niels, Nicolai und Julian
ohne allzu große Kopfschmerzen gelö”st zu haben, ebenso die Aufgabe, einen
Roboter so zu programmieren, dass er aus einem Labyrinth herausfindet.

Die drei arbeiten in der Roboter-AG der ADS mit, sie werden unterstützt von
Fachlehrer Andreas Müller, der ihnen als Tutor auch im Wettbewerb zur Seite steht.
Er schildert zum Hintergrund, dass Informatik in Hessen erst ab der schulischen
Oberstufe Fach ist, was eine Erkl„rung für die mittelm„äßige Beteiligung von nur 79
Schülern an der ersten Runde liefert. Ganze 29 davon sind eine Runde weiter
gekommen, dafür reichte auch schon eine Zahl von 13 Punkten, die ADS-Schüler
bewegen sich also bereits in einem ziemlich exklusiven Kreis.

Sie sind auch sichtlich stolz darauf, allerdings ohne jede Spur von Hochn„äsigkeit.
Und sie teilen miteinander mehr als nur die Freude am Programmieren von Robotern
und dem Erzeugen künstlicher Intelligenz. Gemeinsam ist ihnen eine zweite
schulische Schwerpunktsetzung im Fach Biologie, und als es im Gespr„äch um
m”gliche Berufsperspektiven geht, liefert Niels-Lucas bald das Stichwort "neuronale
Netzwerke". Im folgenden Exkurs mit Fachlehrer Müller geht es um die computer-
gestützte Simulation der Funktionsweise von Prothesen und die Option, diese direkt
vom menschlichen Gehirn aus zu steuern.

Dass die "Mutter aller Informatik" die Mathematik ist, gibt Schulleiterin Ursula Krell zu
bedenken, und Julian spinnt den Gedanken fort: "Mathe ist eine
Universalwissenschaft und fließt ja auch in Fä„cher wie Wirtschaftsinformatik ein."

Bis zur Uni ist aber noch Zeit, und es ist deutlich spürbar, dass die drei sie auch
nutzen mö”chten, um sich sportlich mit so genannten "Millenniums-Problemen" wie
der gleichm„äßigen Verteilung von Geld auf verschiedene Koffer eines
Geldtransporters zu besch„äftigen, wie sie in der ersten Runde zu den Aufgaben
geh”örte. Für "Millenniums-Probleme" gibt es bis heute keine "informatische" Lö”sung,
wer eine findet, dem winken beachtliche Preise und Prä„mien.

robot

Menschliche Intelligenz kreiert "knstliche Intelligenz". Die ADS-Schüler (von links)
Niels-Lucas Sch”önfeld, Julian Braunwarth und Nicolai Ries haben die erste Runde
eines bundesweiten Informatik-Wettbewerbs mit Bravour gemeistert. (Foto: Klaus
Holdefehr)