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Das Schicksal eines Flüchtlings - Dokumentation und Gesprächsrunde in der Aula der Alfred-Delp-Schule

Gaith al Sultan ist 16 und seit einem Jahr in Deutschland. Jetzt hat er, vermittelt durch die Zusammenarbeit der UNICEF-AG der Alfred-Delp-Schule unter Leitung von Oberstufenlehrer Christoph Murmann mit der Goetheschule Dieburg und dem Asylkreis Dieburg, vertreten von Carola Gräf, eine bewegende Dokumentation seiner Flucht aus Syrien präsentiert, halbprofessionelles Filmmaterial, das den Zuschauer wirklich mitnimmt auf diesen schweren Weg. Dabei hat Gaith alles in allem Glück gehabt, so sieht er selbst das, denn sein Traum, in Deutschland anzukommen, ist wahr geworden.

Auch seine vier großen Geschwister leben mit ihm zusammen mittlerweile in Münster, in einer richtigen Wohnung, und Gaith kann zur Schule gehen, als Schüler einer Intensivklasse der Goetheschule Dieburg, die von Lehrerin Uschi Zimmermann geführt und betreut wird. Er hat außerdem einen ehrenamtlichen Paten, Michael Gritz, der sich ganz persönlich um seine individuellen Belange kümmert.

Das alles sah vor einem Jahr noch ganz anders aus: Gaith flieht mit einem Teil seiner Familie vor den zerstörerischen Fassbomben. Der Vater war bereits umgekommen, auf die Türkei hatte er den Sohn noch vorbereiten können, dort sei es „wie im Dschungel“ - Gaith kann das inzwischen bestätigen. Dann die Flucht übers Meer, auf einer sechs Meter langen Nussschale, die auch tatsächlich wenige Meter vor Lesbos gesunken ist. Aber Gaith hatte schwimmen geübt, und auch alle Mitinsassen konnten gerettet werden.

Eine Zeit verbringt er mit seinem neuen Freund Abdul in Athen, dann trennen sich die Flüchtlingswege, worunter beide Jungen bis heute leiden, aber vielleicht kann Abdul jetzt endlich bald aus Schweden , wo er bei einem Onkel gelandet ist, nach Deutschland kommen, Gaith besuchen.

Gaith wollte unbedingt nach Deutschland, dort sei man willkommen, woanders nicht, was er besonders in Ungarn als sehr unangenehm und belastend erleben musste, wo es tagelang nichts zu essen und zu trinken gab und man nicht mal für die dringendsten Bedürfnisse den Raum verlassen durfte. Sechs Wochen dauert die Flucht, viele Nächte verbringt Gaith unter freiem Himmel oder in Moscheen auf dem Fußboden.

Den syrischen Konflikt und die Aufstände versteht der Junge bis heute nicht, zurück will er aber auf keinen Fall, auch nicht nach dem Krieg, denn Syrien habe „keine Zukunft“. Für seine Zukunft in Deutschland hat er klare Pläne: so viel lernen wie möglich, endlich die Mutter nachholen, die zwar in der Türkei in Sicherheit ist, aber nicht mitkommen konnte, und später Journalist werden.

Die Alfred-Delp-Schüler, die sich am frühen Dienstagnachmittag zahlreich in der Aula ihrer Schule eingefunden hatten, um Gaith`s Geschichte zu erfahren, waren beeindruckt: vom Schicksal des Jungen, aber auch von seinem Mut, seiner Energie und Zuversicht. An Kontaktangeboten gab es keinen Mangel, und so hat Gaith, der Deutschland bisher nur positiv erlebt hat und dessen Deutschkenntnisse schon erstaunlich fortgeschritten sind, gute Integrationsaussichten, - sofern die Behörden langfristig grünes Licht geben .

 

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von links: Michel Gritz, Gaith al Sultan, Uschi Zimmermann

 

8. November 2016 Angelika Schneider