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Dieburger Synagogen und alter Marktplatz im Blickpunkt

Oberstudienrat Rolf H. Peters und seine Schüler begeistern mit Arbeiten und Vortrag zur Dieburger Stadtgeschichte

Am 27. April eröffnete im Museum Schloss Fechenbach eine kleine Ausstellung mit Architekturmodellen, die von Schülern und Schülerinnen der Alfred-Delp-Schule in Dieburg im Kunstunterricht unter Federführung ihres Kunstlehrers Oberstudienrat Rolf H. Peters angefertigt wurden.

Die Schüler haben sich im Unterricht mit dem Dieburger Marktplatz in der Zeit um 1928/29 beschäftigt – und Häuser rund um den Marktplatz in Modellen aus 3mm Finnpappe rekonstruiert. Fotos aus dem Internet, das Buch von Günther Keim: "Beiträge zur Geschichte der Juden in Dieburg" und Recherchearbeit im Dieburger Stadtarchiv unterstützt von Archivar Jona Ostheimer bildeten die Grundlage. Die Zeit um 1928 / 29 wurde auch deshalb gewählt, weil dadurch sowohl die Alte als auch die Neue Synagoge, die ihren Platz am Marktplatz hatten, einbezogen werden konnten. In der Ausstellung werden die alte Synagoge (Henrik Becker), die wegen Baufälligkeit 1928 abgerissen werden musste, und die neue Synagoge (Jan Hendrik Krumbach und Leon Schnaut), die die Gewaltherrschaft und den Krieg überlebt hatte, gezeigt. Heute weist eine Tafel an der Sparkasse auf die Existenz der Synagogen hin. Weiter gibt es die Fachwerkhäuser (Jan Hölschke) an der Stelle der heutigen Volksbank, der Mainzer Hof (Barbara Chan), die alte Schmiede (Alexander Ruf), die heutige Reinigung (Charlotte Sornberger) und der "Kaufmann Loeb" - die heutige Bücherinsel (Kristina Splanemann und Marcel Hossain) zu bestaunen. André Gensert entwickelte am Computer zudem ein dreidimensionales Bild des 1. Entwurfs für die neue Synagoge, von dem nur ein Modellfoto erhalten ist, und gestaltete das Plakat zur Ausstellungseröffnung.

Nachdem die Besucher der Eröffnungsveranstaltung im Foyer bereits einen kleinen Vorgeschmack auf die Arbeiten der Schüler erhalten konnten, wurden sie in den Caroline-von-Fechenbach Saal des Schlosses gebeten. Den Stellenwert der Recherchearbeiten und Darstellung unterstrich bereits die Einleitungsrede des Bürgermeisters, vor allem aber auch der ungeahnte Ansturm der an diesem Thema interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Der Raum platzte im wahrsten Sinne des Wortes aus allen Nähten, sodass schließlich noch die Türen zum angrenzenden Schlosscafé geöffnet werden mussten, um allen Zuschauern Platz gewähren zu können.

Und diese sollten ihr Kommen nicht bereuen. Peters begeisterte nicht nur mit einem überaus sachkundigen Vortrag über die Dieburger Stadtgeschichte, speziell den Marktplatz und die dort vormals beheimateten Synagogen betreffend, sondern auch mit aus den verschiedensten Zeiten zusammengetragenen Aufnahmen der in den Blick genommenen Gebäude – komplettiert durch Aufnahmen der Schülermodelle.

Kursleiter Rolf H. Peters unterstrich in seinem Vortrag noch einmal die Besonderheit, dass die Dieburger Synagogen ihren Platz direkt am Marktplatz hatten, wohingegen Gotteshäuser anderer Religionen heutzutage eher in den industriellen Randzonen der Städte zu finden seien. Er ging auf die Geschichte der Alten Synagoge ein, die 1869 eingeweiht wurde und zeichnete die Entwicklung der 1929 eingeweihten Neuen Synagoge bis zu ihrem endgültigen Abriss 1985 nach.

Die besondere Geschichte Dieburgs wurde von Peters auch mit kleinen Anekdoten zu Schillers und Goethes Beziehungen zur Stadt Dieburg herausgestellt.

Außerdem berichtete er über den Architekten der Neuen Synagoge Rudolf Joseph aus Wiesbaden, dessen Vater aus Michelstadt stammend in Pforzheim ein Bankhaus gegründet hatte und dann nach dem Tod seiner Frau mit den beiden Töchtern Mely und Dora und dem Sohn Rudolf nach Wiesbaden zog. Rudolf Joseph erlangte 1919 sein Diplom der Architektur an der Technischen Hochschule in Karlsruhe und ließ sich dann als Architekt in Wiesbaden nieder. 1934 emigrierte er mit Frau und Tochter nach Paris und dann weiter nach New York wo er 1963 starb. Die Schwester Mely wurde freischaffende Künstlerin, stellte u.a. 1914 in Darmstadt auf der Mathildenhöhe aus. Sie beging 1920 Selbstmord. Die Schwester Dora wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort 1944.

Insgesamt eine tolle Werbung für Dieburg, vor allem aber auch für die Alfred-Delp-Schule, in diesem Fall für Rolf H. Peters und seine Schülerinnen und Schüler.

Sämtliche Architekturmodelle sind bis zu den Sommerferien im Museum Schloss Fechenbach ausgestellt.

 

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Drei der Künstler und ihr Lehrer ...

 

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... können zurecht stolz auf ihre Arbeiten sein.

 

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Die Besucher der Ausstellungseröffnung waren jedenfalls begeistert.

 

Bericht und Fotos von Stefan Gräser