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Alfred-Delp-Schule Dieburg – Online-Abiturentlassungsfeier – 25. Juni 2020

 

Es ist kurz vor 18:00 Uhr, weit über 100 Gäste sind schon zugeschaltet zur ersten Online-Abiturent­lassungs­feier, die sicher als historische Veranstaltung in die Annalen der ADS eingehen wird.

Zunächst ist Bürgermeister Frank Haus als Sprecher zu sehen, aber nicht zu hören, das Mikro ist nicht an:

Schon sind sie wieder präsent, die Tücken der Technik, speziell der Videokonferenzen, die alle Lehrkräfte und die allermeisten Schüler mittlerweile so gut kennen.

 

Dann ist der stellvertretende Schulleiter im Bild, Andreas Müller, der nun souverän und hörbar beginnt und alle zu dieser ungewöhnlichen Feier begrüßt.

 

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Als Gäste namentlich begrüßt werden u.a. Bürgermeister Frank Haus, Schulelternbeirat Gailberger sowie die auftretenden Musiker. Müller gibt noch einige Hinweise zur technischen Handhabung des Formates für alle, die irgendwann das Wort haben oder per Bild erscheinen sollen, und übergibt dann das Wort an Schulleiterin Bettina Wannowius.

 

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Die Schulleiterin der Alfred-Delp-Schule spricht in ihrer Ansprache eine Reihe von Themen an, die die Abiturientinnen und Abiturienten in besonderem Maße betreffen, die aber in ihrer Tragweite zugleich von gesamtgesellschaftlicher und globaler Bedeutung sind.

 

Denkwürdigerweise sei ohne Vorankündigung ein Freitag der 13. der letzte Schultag für den Abiturjahrgang gewesen, wenn auch anschließend die Prüfungen komplett durchgeführt worden seien.

Vieles sei anders gewesen als sonst, kein gemeinsames Den-Prüfungen-Entgegenfiebern habe stattfinden können und der Abschluss als solcher sei „bedauerlich und frustrierend“.

Das Jahrgangsmotto „Die goldenen Zwanziger: mit uns der Boom, nach uns die Krise“ habe sich tatsächlich bewahrheitet.

 

Andererseits bedeute das Wort Krise aber z.B. im Chinesischen auch „Chance“.

Es stelle sich die Frage, was wir daraus mitnehmen können: „Viren halten sich nicht an Grenzen, und uns muss bewusst sein, dass wir alle zu einer Menschheit gehören.“ Das gelte gleichermaßen auch für den Klimawandel, dem nur sehr schleppend entgegengewirkt werde, und „auch uns fallen Einschränkungen schwer“.

 

Aber die Natur könne sich gegen die „Untaten des Menschen wehren“, deswegen sollten wir z.B. lieber Fahrrad fahren, statt das Auto zu nutzen.

Wannowius betont, dass wir soziale und auf Kontakte angewiesene Wesen seien, die mit Kontaktmangel nur schwer zurechtkämen.

 

Dem schließe sich folgende Erkenntnis für die Schule an:

„Reines Homeschooling ist auf Dauer kein Ersatz, das soziale Lernen fehlt dabei.“

 

Als Empfehlung für das soziale Leben gelte grundsätzlich und ganz besonders in der kommenden Zeit: „Öfter ‚Wir‘ sagen als ‚Ich‘. Sorgsam mit Zeit umgehen und diese gerne mit anderen Menschen verbringen.“

 

Wannowius schließt ihre Rede mit ermutigenden Worten:

„Nun entlassen wir Euch in die Welt, aber Ihr müsst ihr nicht mit Angst begegnen. Auch Krisen dauern nicht in alle Ewigkeit.“

 

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Andreas Müller übergibt als Moderator jetzt das Wort an den Dieburger Bürgermeister Frank Haus:

 

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Haus lobt zunächst Schulleiterin Wannowius, sie habe ja schon alle wichtigen Themen angesprochen.

 

Es komme nun für die Abiturienten die Zeit des Wachsens und des Hineinschnupperns in andere Sphären: Studium, Ausbildung etc. „Die letzten Monate der Schulzeit fehlen Ihnen, machen Sie das Beste aus den Ergebnissen.“

 

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Seine Ausführungen werden ergänzt durch die Grußworte des Schulelternbeirates Gailberger.

Die Abgänger könnten stolz sein, das Abitur trotz Lockdown geschafft zu haben. „Nun haben die Belastungen ein Ende, so wie die Schulzeit jetzt auch beendet ist.“ Mancher müsse seine Pläne revidieren, z.B. auf geplante Auslandsaufenthalte, die in absehbarer Zeit ohne gewisse Einschränkungen nicht möglich seien, verzichten.

Wichtig ist ihm zu betonen, dass es mehr denn je auf Optimismus, Eigeninitiative und Engagement ankomme: „Gehen Sie mit Hoffnung und Zuversicht in Ihre Zukunft, nur dann haben Sie auch Erfolg damit.“

 

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Nun ruft der Moderator Jakob Hessel auf zum ersten musikalischen Beitrag.

 

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Jakob ist Exschüler der ADS, er war gemeinsam mit den derzeitigen Abiturienten als damals 14-Jähriger in der Einführungsphase, hat nach Jahrgang 11 die Schule verlassen, in England Abitur gemacht, und studiert nun als 17-Jähriger bereits im 2. Semester Mathematik an der TU Darmstadt. Er spielt heute eine selbstgemachte Aufnahme ein, da es live nicht funktioniert habe: Frédéric Chopin, die 24. Etüde. Aber auch bei der Wiedergabe der Aufnahme kommt das Videokonferenzsystem an seine technischen Grenzen, die Musikübertragung funktioniert nur sehr schlecht. Jakob will aber seine Aufnahme online stellen, sodass sie nachträglich abgerufen und mit Muße und Genuss angehört werden kann.

 

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Eine lange Rede hält Felix Hake, der bisherige Schulsprecher, der sehr viel Organisatorisches geleistet und viel Initiative gezeigt hat.

Andreas Müller bemerkt einführend zu Felix‘ Rede, die sozialen Netzwerke seien in letzter Zeit oft schneller gewesen als die offiziellen Verlautbarungen der zuständigen Stellen, sodass die Schulleitung immer wieder zu Anfragen der Schülervertreter habe Stellung nehmen müssen, ohne noch selbst über genaue Instruktionen zu verfügen.

 

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Felix spricht von den großen Herausforderungen der Coronazeit, er habe nicht geglaubt, dass das Virus solche Auswirkungen haben würde. Das Feiern, auf das man sich so sehr gefreut habe, sei nicht möglich, und dies nach einer Phase des Lebens, die so nicht wiederkommen werde. Er nennt hier z.B. die Mottowoche, den Abistreich, besonders aber auch die große Abiturfeier im gemieteten Saal.

 

Er freue sich trotzdem sehr, dass diese digitale Variante möglich geworden sei, und er stellt fest: „Auch die Mottowoche fand digital übermittelt statt und hat Eingang ins Abibuch gefunden.“

 

Den Begriff „Coronajahrgang“ hört er nicht so gerne, der treffe auch nicht, die Pandemie habe „einiges in unserem Leben umgeschmissen, aber wir haben auch vieles gemeinsam erlebt.“ Er denke zurück an den ersten Tag als ADS-Neulinge in der Aula: „In der Folge sind wir eine sehr gute Gemeinschaft geworden, beginnend mit der Kennenlernfahrt, dann folgend das Zusammenwachsen in der Stammgruppe, auch unser einziges Oberstufenpraktikum war wichtig.“ Die Tutoren hätten immer wieder alles getan, „um uns auf unserem Weg zum Abitur zu unterstützen.“

 

Sie hätten „uns durch die Q-Phase begleitet, in der wir wieder neu zusammengesetzt waren“; die Studienfahrten der Tutorien ins europäische Ausland seien alle interessant gewesen.

 

„Das Lernen für’s Abi begann an Weihnachten, dann ging alles sehr schnell. Mir wird nach der Schulzeit etwas fehlen, ich habe den Aufenthalt in der ADS immer genossen“, fährt Felix fort.

 

Er lobt besonders das allgemeine Schulklima, ein funktionierendes Miteinander, - „Mobbing hatte keinen Platz“ -, dies sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung: „Vielfalt machte uns aus, auch aufgrund des großen Einzugsgebietes, man konnte den eigenen Horizont erweitern.“

 

Der Schulsprecher bezeichnet die Oberstufenjahre als „die bisher schönsten Jahre des Lebens“ und hofft, dass die Kontakte die Schulzeit überdauern, ausdrücklich auch die Kontakte „zu denjenigen von uns, die das Abitur nicht geschafft oder früher aufgehört haben, sie gehören genauso dazu.“

 

Ergänzend fügt er an:

„Wir sind nicht mehr dieselben Menschen wie zu Beginn unsrer Oberstufenzeit, wir haben uns weiterentwickelt und steigen nun in eine neue Welt ein. In der Gesamtbilanz haben wir einiges für unser Leben hinzugelernt.“

Sicher freue sich jetzt mancher über freie Zeit und das Freisein von reglementierenden Strukturen (Stichwort Ausschlafen), aber man sei auch in einer privilegierten Lage.

Sie hätten alle gedacht, „dass wir nach Ostern wieder in der Schule sind“, es sei anders gekommen. So sei er froh „über unser Abibuch, das diese Zeit festgehalten hat.“

 

Dank gehe an die Organisatoren, das gesamte Lehrerkollegium und die Eltern, aber auch an die Schulleitung und die Mitarbeiterinnen im Sekretariat, den Hausmeister und alles übrige Personal der Schule.

 

Felix schließt seine umfassende Rede mit folgenden Worten:

„Bleibt so, wie Ihr seid, aber bleibt auch nicht ganz so, bildet Euch weiter und haltet an Euren Zielen fest. Lernen bedeutet Veränderung, die Schule war nur der Grundstein. Seid nicht wie andere, sondern bleibt immer Ihr selbst.“

 

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Die nachfolgende Ehrung besonderer Leistungen gewährt uns, wie Andreas Müller launig anmerkt, „den Blick in das ein oder andere Arbeitszimmer“.

 

Zunächst tritt Jennifer Heckner auf, die unter anderem Philosophie unterrichtet und in diesem Fach hervorragende Schülerinnen ehrt.

 

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Auch Frauen hätten immer schon philosophiert, sie hoffe, dass die jungen Frauen, die heute den Preis erhalten, auch in Zukunft der Philosophie treu bleiben werden: „Bin sehr stolz auf Euch.“

 

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Christoph Warlo, Leiter des Fachbereiches 2, ehrt ausgezeichnete Geschichtsabsolventen:

 

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Jede Jahrgangsstufe in Geschichte mit 15 Punkten absolviert habe Ellen Neumann, und Georg Walter sei laut Aussage seiner Mitschüler ein wandelndes Geschichtslexikon.

 

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Die Ehrungen im Fachbereich 3 übernimmt Marco Dörsam, der diesen Fachbereich auch leitet.

 

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Der MINT-Bereich hatte laut Dörsam eine sehr engagierte Q4, er habe die Ehre, viele Preisträger (ausführlichere Informationen zu diesen auf dem MINT-Blog der ADS) vorzustellen.

 

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Den Fachbereich 1 vertritt Gudrun Waidelich, die Buchpreise für besondere Leitungen in Deutsch zu vergeben hat.

 

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Dann folgt ein weiterer musikalischer Beitrag:

Alan Coates, der sich selbst noch in der Einführungsphase, also Jahrgang 11 befindet, spielt auf der wertvollen schuleigenen Bratsche, die einst vom 1997 verstorbenen Schulleiter Jürgen Oehme der Schule gespendet worden war. So findet auch die Schulgeschichte Eingang in diese denkwürdige Feier.

 

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Alan spielt zwei Stücke von Johann Sebastian Bach aus der Suite Nr. 1 für Violoncello.

 

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Die Verleihung des Sozialpreises erfolgt durch Sigrid Weber, Kollegin der ersten Stunde und ehemaliges Schulleitungsmitglied, die die Schule und den Förderverein auch nach ihrer Pensionierung nun schon seit vielen Jahren weiter unterstützt: Frau Weber gratuliert allen Abiturienten zum bestandenen Abitur und verleiht Auszeichnungen für besonderes soziales Engagement.

 

In diesem Jahr habe besonders die SV beeindruckt durch ihre offensive und beharrliche Auseinandersetzung mit der Schulleitung und das Engagement für ihren Jahrgang: Schulsprecher Felix Hake habe geglänzt als Organisator und Führungskraft, Carolin als stellvertretende Schulsprecherin großes Organisationstalent und Einsatz in verschiedenen Komitees gezeigt, Julia Hartmann als zweite stellvertretende Schulsprecherin besonders die Initiative Müllreduzierung und Ressourcenschonung auf den Weg gebracht, unter anderem indem sie für wiederver­wendbare Kaffeebecher am Kiosk sorgte. Auch Georg Walter als Stufensprecher des Jahrgangs habe sich uneigennützig für den Jahrgang eingesetzt.

 

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Nun kündigt Moderator Andreas Müller den Singer und Songwriter Nils Kühlmann aus der Q2 an, der schon bei zahlreichen Schulveranstaltungen mitgewirkt hat und mit seinem Musikbeitrag „Light in the dark“ ganz besonders in diese Zeit passt.

 

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Wie gut Nils Kühlmann bei seinen Mitschülern ankommt, wird erkennbar, als einige sich spontan und unaufgefordert erstmals bei dieser Feier mit Bild hinzuschalten, was auch vom Administrator nicht unterbunden wird, der ja unerbetene Mikros und Kameras jederzeit ‚wegklicken‘ kann.

 

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Zum würdigen Abschluss erfolgt die Ehrung der Abiturienten durch die Schulleiterin, die mit ihrem zweiten und abschließenden Auftritt den Rahmen der Veranstaltung setzt.

Der Schnitt beträgt in diesem Jahr 2,24 und ist damit um zwei Zehntel besser als im letzten Jahr, acht Abiturientinnen und Abiturienten haben sogar die Note 1,0 erreicht. Beste Abiturientin ist Ellen Neumann, die in fast allen Fächern mit 15 Punkten abgeschlossen hat.

 

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Mit einer netten Geste schließt der Moderator die Feier:

Alle, die das möchten, dürfen sich kurz ‚sichtbar‘ machen, indem sie ihre Kameras einschalten, was während der Feier nicht möglich gewesen wäre, da dieser ‚Modus‘ die Datenübertragungsraten hoffnungslos überstrapaziert hätte.

 

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Fazit:

„Das ist mal was anderes“, lautet ein oft als Euphemismus gebrauchter Spruch, wenn man höflich sein will, ohne die Unwahrheit zu sagen. Diese Feier war aber tatsächlich mal etwas ganz anderes, aus der (Corona-) Not geboren, aber in diesem Rahmen doch durchaus rund und gelungen.

 

Trotzdem hoffen wohl auch die diesjährigen Absolventen und Absolventinnen, dass sie in dieser Form singulär bleiben wird!

 

26.06.2020

 

Bericht und Fotos: Angelika Schneider