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Lernen unter blauem Himmel – Der Ski-Blog ´Zillertal-2017`

 

Samstag, 21. Januar

Es ist eine kalte Nacht. Nach einem für Lehrer wie Schüler wirklich langen Tag, am Morgen waren wir noch alle beim Tag der offenen Tür im Einsatz, sitzen wir kurz vor Mitternacht immer noch in den Autos derer, die uns zum Parkplatz auf der Leer gebracht haben.

Der Bus ist nämlich noch nicht da. Ist irgendetwas schief gelaufen? Bevor dieser Gedanke weitergesponnen werden kann, blitzen große Scheinwerfer durch die Dunkelheit und der Bus fährt ein. Es kann losgehen.

 

Sonntagmorgen, 22. Januar

Wir sind wahnsinnig gut durchgekommen. So früh sind wir noch nie am Enzianhof, unserem Quartier im Zillertal, angekommen. Es ist noch nicht einmal acht Uhr, die Gruppe einer Darmstädter Schule, die der Bus quasi im Kreisverkehr wieder nach Hause bringen wird, gerade erst aufgestanden. Der frühmorgendliche Anblick der Bergwelt lässt die Müdigkeit schnell aus den Knochen entweichen. Mond und Sonne kämpfen noch um die Vorherrschaft, die weißen Berge werden schon in einen kristallblauen Mantel gekleidet.

 

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Frühmorgendliche Ankunft am Enzianhof

 

Sonntagabend, 22. Januar

Die Routine unserer Skilehrermannschaft kam uns zugute. Frühstück, Skiausleihe und Zimmerbezug reihten sich problemlos aneinander, so dass schon zur Mittagszeit die Eroberung des Skigebiets begonnen werden konnte. Die Mittelstation des Skiorts Zell am Ziller ist nur wenige Busminuten von unserer Unterkunft entfernt. Eine Gondelfahrt später hat man das Herz der sogenannten Zillertal-Arena erobert, die Rosenalm, umgeben von den Anfängerliften und Simons Ski-Stadl, eine der Hütten, in der wir die Woche über vergünstigtes Mittagsessen bereit gestellt bekommen.

Der erste Skitag stand ganz im Zeichen der Gruppeneinteilung. Dieses Jahr haben wir relativ viele Anfänger, die sich gleich mit Frau Meyer und Herrn Foitzik Richtung Zauberteppiche aufmachten. Die anderen fuhren vor und wurden entsprechend des Gezeigten in drei weitere Leistungsgruppen eingeteilt, die von Herrn Müller, Herrn Gräser und Herrn Neuberger übernommen wurden. Diese drei Gruppen besitzen das Privileg, später, nach der ersten Übungseinheit, direkt zum Haus abfahren zu können, einen kilometerlangen Ziehweg, den die Anfänger erst gegen Ende der Woche zu bewältigen imstande sein werden.

Die anstrengende Nachtfahrt und die ersten Skischwünge fordern ihren Tribut. Die Betten rufen, anstrengende Tage erwarten uns.

 

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Skifahren über den Wolken

 

Montag, 23. Januar

Die Bedingungen sind weiterhin traumhaft. In den Wochen vor unserer Ankunft hat es viel geschneit, jetzt scheint es, als gäbe es in dieser Bergwelt gar keine Wolken. Zudem ist es für die hiesigen Verhältnisse relativ warm, was bedeutet, dass die Temperatur selbst auf 2000m nicht in den zweistelligen Minusbereich abfällt. Gegen Mittag wärmt die Sonne sogar schon.

Gut erholt, arbeiten die einzelnen Gruppen derweil daran, ihr Können weiter auszubauen. Am Freitag wird eine Überprüfung stattfinden, bei der Kurzschwünge im Steilen und Carven in flacheren Passagen vorgefahren werden müssen. Die Anfänger haben die Zauberteppiche längst verlassen und erobern gerade die blauen Pisten des Skigebiets.

 

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Unglaubliche Panoramen

 

 

Dienstag, 24. Januar

Das nennt man wohl Inversionswetterlage. Statt des Tals, sieht man heute nur von oben auf eine Nebeldecke, über uns dagegen immer noch kein einziges Wölkchen. Die Menschen im Tal sind heute sicher nicht zu beneiden. Heute ist Halbzeit, was bedeutet, dass am Abend den Ski-Gruppen neue Skilehrer zugeordnet werden. Das soll einerseits für andere Impulse in den Gruppen, andererseits auch für einen Ausgleich zwischen den Skilehrern sorgen, schließlich will jeder auch mal gerne mit den besseren Schülern fahren.

Die alten fortgeschrittenen Gruppen nutzen diesen Tag, um das Skigebiet einmal in seiner ganzen Größe und Vielfältigkeit kennenzulernen. Ein Verbindungsstück, dem sogenannten Übergangsjoch, das nur bei sehr viel Naturschnee geöffnet ist, da hier aus Naturschutzgründen das Beschneien verboten ist, führt über Gerlos bis nach Königsleiten. Alle sind begeistert.

 

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Slalomtraining als Teil der Skiausbildung

 

 

 Mittwoch, 24. Januar

Gemeinsames Skifahren verbindet Lehrer und Schüler in einer Weise, wie das im normalen Schulalltag nur schwer möglich ist. Die kleinen Gruppen und die vielen Gelegenheiten zum besseren Kennenlernen, beispielsweise im Lift oder in den Pausen, bewirken einiges. Entsprechend wundert es nicht, dass der Lehrertausch am Vorabend für einigen Wehmut gesorgt hat. Genauso wenig aber, dass nach nur einem weiteren Skitag unter wolkenlosen Himmel sich die neuen Gruppen schnell gefunden haben.

 

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Im Hintergrund eine DER Herausforderungen des Skigebiets - die schwarze Piste

 

Donnerstag, 25. Januar

Der Tag vor den Prüfungen steht naturgemäß auch ganz im Zeichen dieser. Feinschliff ist angesagt. Haben sich die verschiedenen Gruppen über die ganzen Tage im Skigebiet meist nur zum Mittagessen oder zur gemeinsamen Hausabfahrt am Nachmittag getroffen, fährt man sich heute an den Prüfungshängen fast über die Skier. Die Skilehrer sind guter Dinge, die Fortschritte sind unverkennbar.

Der Abend ist unser Letzter, das bedeutet Abschlussabend. Übertreiben will es angesichts der Prüfungen morgen niemand, ´Wetten daß …?` steht auf dem Programm. Höhepunkt ist der Sieg der Schüler über die Lehrer beim Quizduell. Die Lehrer sind sich entsprechend schnell einig, dass von Schülerseite gemauschelt wurde. Morgen liegt die Wahrheit in jedem Fall auf der Piste.

 

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Prüfung erfolgreich bestanden. Die drei Fortgeschrittenengruppen

 

 

Freitag, 26. Januar

Das Wetter lässt sich auch am letzten Tag nicht lumpen. Eine Woche ohne eine einzige kleine Wolke, keiner hier kann sagen, dass er das schon einmal beim Skifahren erlebt hätte. Die Bedingungen für die Prüfung sind also ideal. Viel zu verlieren haben die Schüler ohnehin nicht. Die beiden Skilehrer, die die Gruppe über die Woche begleitet haben, ermittelten am Vorabend bereits eine Vornote, die sich aus dem Gezeigten, der Lernentwicklung und Mitarbeit zusammensetzt. Damit ist der Druck genommen, dass die Angst vor einer verkorksten Prüfung - gerade diese bewirkt. Die Prüfungen verlaufen denn auch mehr als zufriedenstellend, zum Teil kann man kaum glauben, dass es sich hier um Flachländer handelt, die wenn überhaupt, einmal im Jahr Skipisten in natura zu Gesicht bekommen.

Wenige Stunden später, nachdem noch ein Mittagessen eingenommen und die Koffer verladen wurden, sitzen wir alle schon im Bus, der uns zurück in die Heimat bringen wird. Die Stimmung zeigt: die Fahrt war wieder ein voller Erfolg gewesen. Gegen Mitternacht steuert der Bus Dieburg an und entlässt schließlich die Teilnehmer der Fahrt in die Arme derer, die auf ihre Liebsten schon warten. Schön war´s und schön ist es auch wieder zu Hause zu sein.

 

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Ein Gruß in die Heimat

 

Bericht: Stefan Gräser

Fotos: Mathias Foitzik und Stefan Gräser